Reisebericht Bolivien mit dem Fahrzeug 2010

Dieser Bericht beschreibt die Erfahrungen mehrerer Touren mit unserem Duro 6×6 in den Jahren 2010 und 2011 von Salta/Argentinien über Villazon/Bolivien, Potosi, LaPaz, Yungas, Copacabana, Salar von Uyuni, Villazon, Salta bzw. weiter nach Peru und ist somit nicht allgemein gültig für „ganz“ Bolivien. Wir erklären Ihnen in den kommenden Abschnitten, was man bei solch einer Abenteuerreise beachten sollte, wie zum Beispiel:
Wie verläuft die Einreise mit dem Fahrzeug und wie ist der Verkehr vor Ort?
Wo wechselt man sein Geld (und in was), oder verbringt seine Nächte?
Wie kann man mit zu Hause kommunizieren?

Der Blogbeitrag ist kein Reiseführer, sondern eine Hilfe für die Vorbereitung und eine Sammlung Tipps für Fahrer und Beifahrer. Wie alle Infos über entferntere Ziele unterliegen auch diese hier demständigen Wechsel und müssen selbst immer wieder neu recherchiert werden. Das Auswärtige Amt hält hierfür aktuelle Länderinformationen bereit. Die Fa. Bernd Woick GmbH übernimmt keinerlei Haftung für die Richtigkeit der hier nach eigenen Erfahrungen und nach bestem Wissen und Gewissen bis 11/2011 gemachten Angaben.

Ist oder soll ihr Reisefahrzeug mehr als 36 Monate ausserhalb der EU sein?

Dann unbedingt diesen Hinweis, ggfs. anonym, beim Zoll verifizieren:
Als Rückwaren gelten z.B. Fahrzeuge, die zunächst aus dem Zollgebiet der EU ausgeführt wurden und später wieder eingeführt werden.

Die Rückware (also Ihr Fahrzeug) muss in unverändertem Zustand und innerhalb von 3 Jahren wieder eingeführt werden! Bei der Wiedereinfuhr in die EG sind Nachweise vorzulegen, die bestätigen, dass es sich um Rückwaren handelt, d.h. dass die identischen Waren wiedereingeführt werden. Das Zollrecht spricht von einem Nämlichkeitsnachweis, der z.B. durch den KFZ-Schein oder -Brief erbracht ist. Weitere Infos finden Sie unter diesem Link:

http://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Zoelle/Zollbefreiungen/Aussertarifliche-Zollbefreiung/Rueckwaren/rueckwaren_node.html

Für Fahrzeuge, die länger als 3 Jahre außerhalb der EU waren, (kann) wird dann bei der Wiedereinfuhr Zoll und die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19% auf den Zeitwert erhoben!
Das können durchaus 25 bis 30% des vom Zoll errechneten Zeitwertes sein! Ob das Fahrzeug angemeldet oder abgemeldet war/ist oder mit oder ohne Carnet unterwegs war ist für die zollrechtliche Betrachtung unerheblich!
Vielleicht denken Sie daran, dass ein öffentlicher Reiseblog, der von Ihrer 5 Jahres-Weltreise berichtet, auch vom Zoll gelesen werden könnte und Ihre Beteuerung, dass das Fahrzeug sich erst seit 2 Jahren außerhalb der EU befindet, womöglich unglaubwürdig klingen könnte.

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Anreise aus Argentinien

Ein- und Ausreise

Sowohl die Einreise nach Bolivien als auch die Ausreise aus Bolivien war in ca. einer halben Stunde erledigt. Auf bolivianischer Seite wollte niemand das Fahrzeug auch nur sehen!
Bei der Ausreise aus Argentinien ließ sich der Zöllner freundlicherweise unsere Versicherung zeigen und stellte fest, dass diese für genau Bolivien nicht gültig ist. Er wies uns eine Agentur der Agro Salta in der Ave. Espana Sur im Ort nach, bei der wir nach der Siesta (also nach 17.00 Uhr) die benötigte Deckung für 4 Wochen bekamen.

Bei der Wiedereinreise nach Argentinien wird das Zollformular für das Fahrzeug neu ausgestellt, auf Wunsch – aber ohne Rechtsanspruch! – mit 8 Monaten Aufenthaltsdauer (Personen nur 3 Monate!). Wenn allerdings das Internet abgestürzt ist, dauert das schon mal ein paar Stunden, bis das Formular erstellt werden kann.

Maut

In Bolivien unterliegen fast alle Strecken – egal ob Piste oder neue Asphaltstraße – einer Maut, Peaje genannt. Diese Peaje wird in nahezu unkenntlichen Lehmbuden am Straßenrand genauso kassiert, wie an den etwas moderneren Mautbrücken. Bezahlung nur in bar mit Bolivianos.
In den einfacheren Stationen sitzt meist ein Polizist, der den Führerschein prüft und ein Kassierer, der die Tickets verkauft.

Grundsätzlich erhält man ein gedrucktes Ticket, das später wieder kontrolliert und abgestempelt wird. Dazu wird es auf des Fahrzeug-Einfuhrpapier getackert und dieses wird auch noch auf der Rückseite gestempelt. Die Gebühren liegen etwa zwischen 0,50 € ( LaPaz Stadtbereich) und 5 € (über 200km). Das hängt wie überall von der Größe des Fahrzeugs ab und man sollte bereits an der ersten Station versuchen, die für sich günstigste Kategorie herauszufinden. Danach wird nur noch die Kategorie des Vorgängertickets übernommen.

Straßenverkehr

Es wird von Ausnahmen abgesehen normal gefahren. Ampeln werden mehr oder weniger zeitnah respektiert. Den Schwung eines Fahrzeugpulks erhalten zu können, genießt höhere Priorität als die Farbe eines Lichtleins. Da es sehr wenige private Fahrzeuge gibt, beherrschen Taxis, Collectivos, Busse, Volvo-LKWs und Firmen-Pickups den Verkehr.

Das führt besonders in den engen Innenstädten von Potosi oder LaPaz zu Stockungen, wenn auf allen Spuren und in beiden Richtungen die Kleinbusse stehen bleiben und ihre Passagiere ein- und aussteigen lassen.

Für LaPaz gibt es eine offizielle Fahrregelung, die den Endnummern der Kennzeichen bestimmte Wochentage zum Fahren zuweist. Wir haben an allen Tagen alle Kennzeichensorten fahren gesehen und wir wurden auch von keinem Offiziellen auf diese Regelung hingewiesen. Weitere Regelungen, z.B. wie oft berichtet für ausländische Wohnmobile, kannten die befragten Polizisten nicht.

Straßen

In Bolivien gibt es hervorragende Asphaltstraßen, gute Pisten und sehr schlechte Pisten mit hartem Wellblech. Die Asphaltstraßen werden gut unterhalten und repariert, viele Strecken – z.B. einige hundert km zwischen Villazon und Potosi – sind im Bau, teilweise bereits trassiert und teilweise asphaltiert. Da an vielen Stellen gleichzeitig gearbeitet wird, gibt es viele kleine und große Umleitungen über Nebenpisten. Die Pisten werden ebenfalls in Stand gehalten, der Caterpillar ist allgegenwärtig.

Möchte man von LaPaz aus ins Tiefland (Yungas) fahren, geht das über die „gefährlichste Straße der Welt“ auf Schotter 3000 Höhenmeter nach unten.
Diese wird fast nur noch von den Mountain-Bike-Veranstaltern genutzt, die ihre Gäste hier herunterschicken. Möchte man diese alte Strecke mit dem Fahrzeug bergauf fahren, sollte man das nachmittags machen, wenn die Biker wieder weg sind. So bleibt die Stoßstange sauber.

Seit Jahren gibt es parallel dazu eine sehr gut ausgebaute Asphaltstraße, die den Fahrzeugverkehr mühelos aufnimmt. Überraschend ist der lange Tunnel auf dieser Strecke, der beleuchtet ist, mit Nottelefonen und regelmäßigen Hinweisschildern dazu, einem parallelen Fluchtstollen, Parkbuchten und Beschilderung. Seitenstreifen und Leitlinie sind mit Reflektoren markiert.

Da können sich einige italienische Tunnel ein paar Scheibchen abschneiden…
Auf dieser Strecke gibt es auch eine stationäre Drogenkontrollstation, die mit Drogenhunden die Fahrzeuge (Wohnmobile eher nicht) kontrolliert.
Alle (seltenen) Kontrollen durch die Polizei verliefen freundlich und korrekt, bei Fragen waren alle Uniformierten sehr hilfsbereit.

Tanken

Der Diesel ist in Bolivien stark subventioniert und kostete bei der Einreise ca. 0,37 € je Liter. Es gibt keine unserer Markentankstellen, sondern nur bolivianische Eigenmarken. Bezahlung nur in bar in Bolivianos, keine Kreditkarten.
Im April 2010 trat eine neue Regelung in Kraft, die den Verkauf von Diesel für Fahrzeuge mit „nichtbolivianischem“ Kennzeichen beschränkt: Nur einzelne Tankstellen dürfen diesen ausgeben und gegen besondere Fakturierung und zum doppelten, an der Zapfsäule angezeigten Preis! Somit kostet der Diesel etwa soviel wie in Argentinien oder Chile, ist aber von wesentlich schlechterer Qualität. Bisher liegen keine Erfahrungen vor, ob diese Regel nur grenznah oder in ganz Bolivien gilt.

Der Diesel in Bolivien, Peru, Uruguay und Paraguay gehört mit 500 < 1.500 ppm Schwefel zu den schwefelhaltigsten Kraftstoffen überhaupt! Das erfordert zur Neutralisierung der ins Öl gelangenden Schwefel- und Schwefeligen Säuren entweder regelmäßigen Ölwechsel zwischen 500 und 1.000km oder den Zusatz von Schwefelneutralisator.

Chile hat sehr guten schwefelarmen Diesel (< 10ppm), Argentinien deutlich schlechteren, schwefelhaltigen (50 > 500ppm) Diesel, der etwas kürzere Ölwechselintervalle oder den Zusatz von Schwefelneutralisatoren (gibt’s bei Woick) erfordert.

Geldwechsel

In den Städten kann man bei kleinen oder großen Banken Geld von der VISA-Karte bekommen. Teilweise gibt es Bankautomaten, oft muss man in der Bank den richtigen Schalter suchen, ein Formular ausfüllen, um dann Bargeld bekommen zu können. Prinzipiell problemlos, 5% Provision werden generell einbehalten. Der Kurs war etwa 10 BS = 1 €. In der Bank und am Automat gabs also 9,5 BS für einen €, in den Wechselstuben gibts 8,5 BS für einen €.

Möchte man in Läden oder Restaurants mit VISA-Schild an der Tür mit VISA bezahlen, werden bis zu 18% Provision (Commission) aufgeschlagen.

Übernachten

Der wohl einzige richtige Stellplatz befindet sich am Hotel Oberland in LaPaz, nur 5 Gehminuten süd-östlich vom Eingang zum Valle de la Luna im Stadtteil Mallasa. Mallasa liegt ca. 9 bis 10km in südlicher Richtung vom Stadtzentrum entfernt: S16 34.101 W68 05.367
In der Übernachtung ist die Nutzung von Toiletten, Duschen usw. enthalten. Das Hotel ist unter Schweizer Leitung und bietet auch kostenloses Wlan, das auf dem Stellplatz allerdings etwas schwach ist, an.

Einen weiteren Übernachtungsplatz stellt das bereits tropisch gelegene Rio Selva Resort, ca. 100km nord-westlich von LaPaz zur Verfügung. Man darf auf dem eingezäunten Busparkplatz nach Anmeldung übernachten. Da es sich hier um ein exklusives SPA-Hotel handelt, wird der Platz vorzugsweise incl. Abendessen und/oder Frühstück gestellt. Preis an der Rezeption aushandeln. Rio Selva Resort: S16 12.293 W67 47.386

Auch vor dem neuen Salzhotel im Salar von Uyuni kann man übernachten, wobei auch hier erwartet wird, dass man wenigstens im Hotel zu Abend ist, was recht edel und für unsere Verhältnisse spotbillig ist. S20 16.856 W66 58.899
Ansonsten haben wir neben oder hinter Tankstellen ebenso übernachtet wie auf einem Dorfplatz (Copacabana), vor einem besseren Hotel, neben einer Peaje-Station (Potosi) oder in einer abgelegenen, besseren Straße.

Wir wurden nie angesprochen oder gar belästigt und wir hatten in keinem Fall einen unguten Eindruck.
In vielen Reiseführern werden Campingmöglichkeiten beschrieben. Diese stellten sich fast ausschließlich als Zeltmöglichkeiten heraus, zumal es uns nie gelang unseren Duro durchs Treppenhaus bis in den Garten auf die Wiese zu tragen.

Karten/Landkarten

Die gedruckten Karten stimmen nur mehr oder weniger und sollten zumindest als Anhaltspunkt immer an Bord sein. Digitale Karten gibt es im Internet, jedoch sind diese zwar auf tatsächlichen GPS-Tracks aufgebaut aber sehr unvollständig und enthalten teilweise Beschriftungsfehler.
Grundsätzlich kommt man damit zurecht. Schwieriger ist es, gute Stadtpläne von LaPaz oder Potosi zu bekommen. Hier gibt es nur Stückwerk, das sich auch nicht richtig ergänzt.

Da in den Städten praktische keine Beschilderung existiert, benötigt man zur Karte immer noch einen guten Riecher und den Mut auch mal den Taxifahrer zu fragen oder diesen vorwegfahren zu lassen.

Kommunikation

In Städten und Ballungsgebieten gibt es guten Empfang für GSM-Mobilfunkgeräte, auf dem Land gibt es größere Lücken. Wlan ist im Gegensatz zu Argentinien oder Chile äußerst selten zu finden und vor Allem auf große Hotels begrenzt. Man kann dann versuchen, ein Passwort von der Rezeption zu erwerben.

Internetcafes gibt es in den Städten mit sehr geringer Übertragungsgeschwindigkeit. Für gute Erreichbarkeit kommt man um ein Iridium-Telefon nicht herum.

Auto-Standplatz in Argentinien

Salta ist ein guter Ausgangspunkt für Reisen in Chile, Bolivien und Argentinien.
Hier bietet der deutsche Ingenieur Frank Neumann auf seinem außerhalb von Salta gelegenen Wohngrundstück Langzeitstellplätze ab 1 € je Tag an. Zubringer zum Hotel oder Flughafen sind möglich. Kontakt nur per Mail: familia.neumann@me.com
Eine weitere Stellmöglichkeit kann der AFIP bieten, der Argentinische Zoll in seiner „Zona franca“, rechts vor der Ortseinfahrt von Guemes, ca. 20km nördlich von Salta. Hier muss man voher in Salta zur AFIP gehen und persönlich vorsprechen. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht!

Wir wünschen viel Spaß bei der Planung ihrer Bolivienreise, Bernd Woick und Team.

Alle Bilder unterliegen unserem Urheberrecht. Jede Veröffentlichung oder andere Nutzung (z.B. in Printmedien, Websites etc.) ist ohne unsere schriftliche Einwilligung und Lizenzierung nicht gestattet.

Anmerkungen und Korrekturen bitte mailen an:

woick@woick.de / Betreff: Bolivien Reiseinfos. Weiterleiten an Bernd Woick

Ein Gedanke zu „Reisebericht Bolivien mit dem Fahrzeug 2010“

  1. Wirklich sehr schöner Reisebericht und klasse Fotos!

    Bolivien steht, vor allem wegen den Kakteen/Sukkulenten, auch noch auf meiner „Wunschliste“ 😉

    LG, Robert

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