
4 LiFePo Zellen 3,2V 314Ah aus meinem Pufferspeicher der PV-Anlage.
Die Zeiten ändern sich, Rahmenbedingungen ebenso
Seit ich diesen Beitrag verfasst hatte, haben sich Preise und Verfügbarkeit drastisch geändert, einige Dinge sollten aber nach wie vor beachtet werden.
Daher eine Überarbeitung – 15.8.2026.
Weil sich meine Erstlingsbatterie in der PV-Anlage als Puffer für unsere Teichpumpe bewährt hat, wird die zweite Batterie im Sprinter installiert.
Für die geplante Hochstrom-Bastelei setze ich ein DC-Zangenamperemeter/Multimeter als Pflichtwerkzeug voraus. Dieses gibt es für deutlich unter 100€.

Die fertig zusammengeschraubte Batterie mit 150A BMS und 150A Sicherungsautomat*. 314Ah bei 12V.
* Der eingebaute 150A Sicherungsautomat erwies sich nach einigen Monaten als „Schrott“, hat er doch zunehmenden, erheblichen Spannungsabfall.
Nach einem halben Jahr kam er auf 1 Volt bei 100A entsprechend 100W Verlustleistung und entsprechende Temperatur! Das sind Midi-Sicherungen vorzuziehen.
Lithium-Batterien
Sie sind in aller Munde und werden rundherum empfohlen, da sie leichter als AGM-Batterien sind und eine höhere Kapazität aufweisen.
Der Elektrolyt ist unbrennbar und Kobalt wird nicht benötigt – somit sind die bekanntesten Nachteile der Lithium-Batterie ausgeräumt.
Für den Einsatz in Fernreisefahrzeugen, die also den „ADAC-Serviceraum“ hinter sich lassen wollen, gelten weitere Kriterien, die die Lithium-Akkus nicht ganz so einfach erfüllen können.
BMS – zusätzliche Elektronik
Wir ärgern uns gerne über die zunehmende Elektronik im Fahrzeug, Steuergeräte ohne Ende, unreparierbar!
Jetzt kommt auch noch das Batterie-Management-System für die Batterie dazu. Leider ist es unabdingbar, da es die Einzelzellen vor Tief- und Überladung schützt und ggfs. abschaltet. Zusätzlich misst es ständig die Spannung der Einzelzellen über 5 Messleitungen (bei 12V) und gleicht Differenzen aus. Weiterhin meldet es die Kapazität in z.B. 4 Stufen über ein winziges Display und übermittelt alle relevanten Daten über Bluetooth oder Wlan an die App auf dem Handy. Perfekte Überwachung.
Natürlich kann das BMS im Fall der Fälle überbrückt werden, dann ist aber die Tiefentladung, Überladung mit einem genauen Voltmeter zu überwachen. Ein Balacing zwischen den einzelnen Zellen ist dann nicht mehr möglich.
Vielleicht sollte man doch ein 2. BMS mitführen.

Die App zeigt über Bluetooth oder Wlan die Betriebszustände jeder Zelle an!

Die Lade- / Entladekurve zeigt die optimalen Spannungen, die im BMS hinterlegt sind – oder hinterlegt werden sollten. Die Kurve ist vielfach im Netz zu finden, der Ursprung ist mir unbekannt.
Redundanz
Es ist sinnvoll aber nicht immer machbar, dass alle im Fahrzeug verbauten Akkus – also Starter- und Wohnraumbatterien – von gleicher Technik und möglichst identischer und genormter Grösse sind.
Das erlaubt den beliebigen Austausch untereinander, falls eine defekt ist oder auch nur schwächelt. Auch sind Batterien auf Bleibasis weltweit verfügbar und im Notfall kann auch auf eine gebrauchte xy-Batterie vor Ort zurückgegriffen werden.
Beim Austausch von gleichartigen Batterien muss nicht auf die Einstellungen der Laderegler geachtet werden – wenn diese überhaupt einstellbar sind.
Selbststarthilfe
Hat man gleiche Batterietypen verbaut, lässt sich eine primitive aber wirkungsvolle Selbststarthilfe realisieren: Ein z.B. 25qmm Verbindungskabel von der Wohnraumbatterie (oder dem Batterieblock aus mehreren parallelgeschalteten Batterien) zur Starterbatterie mit zwischengeschaltetem „Nato-Knochen“. Springt also der Motor nicht mehr an, werden alle Batterien mit dem Natoknochen zusammengeschaltet. Der Ausgleichsstrom ist vertretbar, sicherheitsbewusste Gemüter werden noch eine Sicherung (z.B. 100A) einsetzen. Nach einigen Minuten warten, kann der Motor gestartet werden.
Die Batterieverbindung muss vor dem Startversuch zwingend wieder geöffnet werden!! Fliesst ein Teil des Anlasserstroms über die Ausgleichsleitung, kann es zum Kabelbrand kommen.
Im Notfall kann man mit dem Generator/Lichtmaschine die Wohnraumbatterien wieder laden, falls z.B. der Booster spinnt o.Ä.
Hier muss der Ladestrom mit einem DC-Zangenamperemeter überwacht werden.
Wir haben diese Technik für Notfälle testweise mit unserer 314Ah Lifepo4-Batterie in Verbindung mit der AGM-Starterbatterie eingesetzt. Der gemessene Ausgleichsstrom von max. 20A war im Rahmen der Erwartungen und hat die AGM wieder aufgefrischt. Das funktionierte einwandfrei, sollte aber keine Empfehlung für eine Dauerlösung sein.
Zusatzkapazität
Geht der Wohnraumbatterie einmal – immer im ungünstigsten Moment – der Saft aus, kann diese mittels Nato-Knochens mit der Starterbatterie verbunden werden und weiter geht’s!
Vorausgesetzt, die Starterbatterie kann hinsichtlich Spannung und Ausgleichsstrom überwacht werden…
Lebensdauer und Preis…
Die Natoknochen-Technik verwenden wir seit Jahrzehnten erfolgreich. Ein 4er-Block AGM hat in unserem Duro 7 Jahre problemlos und ohne spürbaren Leistungsverlust überdauert, incl. mehreren 6-monatigen Standzeiten ohne Zwischenladung! bei abgeklemmten Batterien. (Ein vorher verwendeter 4er-Block aus Gel-Batterien war nach bereits 2 Jahren nicht mehr winterstartfähig.)
Unsere beiden 115Ah-AGM DeepCycle von Varta sind jetzt nach über 8 Jahren im Sprinter am Ende, d.h. grössere Leistung war nur noch kurz bei randvoller Batterie zu entnehmen.
Kapazität
Die Kapazitätsangaben der Batterien beziehen sich immer auf einen Entnahmestrom von 1/20 der Angabe in Ah bei 20°C Umgebungstemperatur, entsprechend C20. Also bei einer 100Ah Batterie sind das 5A. Läuft jetzt der Haarfön, die Induktion-Kochplatte oder der Kaffeevollautomat mit 100A bei 12V steht nur noch ein Bruchteil der Nennkapazität zur Verfügung! Gleiches gilt für „kalte“ Batterien.
Höhere Entladeströme und Entnahmen über 50% der angegebenen Kapazität vermindern die Lebensdauer, über 20% auch von LiFePo-Batterien.
Aktuell werden für die AGM DeepCycle 500 Ladezyklen bei 50% Entladetiefe angegeben, dagegen 8.000 Ladeyklen bei 20% Entladetiefe bei unsere 314AH Lifepo4-Batterien..
Masse
Unbestritten sind die AGMs mehr als doppelt so schwer, die Lifepo4 dazu weniger als halb so gross bei doppelter Kapazität.
Beispiel: LiFePo 12,8V 314Ah 25kg Abmessungen 325 x 172 x h208 mm. 80% Nutzkapazität 250Ah bei 8.000 Entladezyklen
Beispiel: 2x Varta LAD115Ah = 230Ah 66kg Abmessungen 2x 328 x 172 x h234 mm. 50% Nutzkapazität 115Ah bei 500 Entladezyklen.
Preise Mitte 2026
2 Stück Varta DeepCycle LAD 115Ah kosten ca. 500€.
4 Stück Lifepo4 314Ah à 3,2V und ein 150A BMS kosten zusammen ca. 550€ incl. MwSt. Aber das sind nur die notwendigen Einzelkomponenten zum Selbstbau. Nicht unterschätzen darf man den Aufwand für Kupferkabel mit 35 bzw. 50qmm Querschnitt, die notwendigen Kabelschuhe und eine Zange bzw. ein hydraulisches Crimpgerät. Die Arbeitszeit kommt noch dazu.
Komplette Batterien oder Bausätze sind natürlich deutlich teurer.
Die 4 Stück 3,2V Einzelzellen passen incl. BMS in den Bauraum einer Varta AGM 115Ah!
Wer am selber bauen Interesse hat, kann sich z.B. bei lifepo.shop umsehen.
Jetzt bitte viel Spass beim Nachrechnen und Nachdenken.


















