Nepal – Tibet 2012 Teil 1

Mal anders (ohne Fahrzeug) reisen

Montevideo im Herbst 2011
Wir sitzen im Hotel London Palace, die Rückverschiffung unseres Duros steht an und die Reiseideen schießen uns nur so durch den Kopf. Island, Karpaten, Skandinavien, Griechenland, Georgien… Die Liste nahm kein Ende.
Aber reisen ohne Duro? Das stand nicht zur Debatte!
Bis Heidrun kompromissierte und vorschlug doch abwechselnd eine Reise mit dem Duro und eine Reise mit dem Flieger durchzuführen.
So sei es!
Im Sommer 2013 steht Island auf dem Programm und für den Herbst 2012 unsere erste Reise nach Fernost.
Frankfurt-Kathmandu, Kathmandu-Lhasa…
… Und jetzt sitzen wir Vier in Frankfurt und warten auf den Flieger nach Muscat.
 
Nach einem ereignisfreien Flug – ohne jegliche kulinarischen Höhepunkte – wurden wir pünktlich in Kathmandu abgeholt.
Im Büro unseres Veranstalters „Royal Mountain Trekking“ wurden Permits, Visa usw. vorbereitet und besorgt. Leider besteht unsere Gruppe „nur“ aus 4 Personen – also musste eine 5. erfunden werden. Permit für das Everest Basecamp bekamen wir auch!
 
Mit Klaus (Himalayan Shop, Langenburg. Buchungsbüro in Deutschland) – im Vordergrund – besuchten wir, perfekt geguided, die Toten-Verbrennungsstätten am Fluss, vorbei an vielen netten kleinen Verkaufsständen mit handwerklich hervorragenden Arbeiten.
 
Wir konnten über Stunden die unerschiedlichen Zeremonien beobachten – eine vollkommen andere und faszinierende Welt!
 
 
 
 
Allgegenwärtig die Heiligen – Saddhus – beim entgeltlichen Fotografierenlassen.
Ein bisschen aggressiv die vielen Affen aber die nicht geringere Zahl knuddeliger Hunde sorgt für den tieremotionalen Ausgleich.
 
 
 
 
Kathmandu hat uns mit seiner ladenreichen Altstadt gefallen, der Trubel und das vielfältige Angebot reißen jeden mit.
Die Straßen, die Gebäude sind zum großen Teil in sehr schlechtem Zustand und überall eine ansehnliche Menge Schmutz und Abfall. Nach der Rückkehr aus Tibet haben wir noch einige Tage Zeit, Kathmandu zu erkunden? Nach 2 Tagen sitzen wir wieder im Flieger und freuen uns auf Tibet.
 
 
Lhasa – unsere erste Station in Tibet. Der Potala Palast überragt die – bis in jeden Winkel blitzsaubere – Stadt. Beeindruckend.
Eine aufstrebende, moderne Metropole. Geothermische Energie wird durch Fernwärmeleitungen in den Häusern genutzt, Straßenbeleuchtung mit LED und Solarmodulen, Beleuchtung selbst in den kleinsten Geschäften nur mit Energiesparlampen!
Über die internen Probleme, die Hundertschaften Miltär und Polizei kann in diesem Blog nicht ausreichend informiert werden!
 
 
Die unzähligen Schätze dürfen gerne fotografiert werden. Zwischen einem und zwei Euros sind dann je Fotoapparat und je Raum fällig. Darüber wachen die Mönche auch wenn sie gerade ihr Handy am Ohr haben oder Yakbutter und frische Dochte in den großen Schalen nachfüllen. Die brennenden Dochte sind die einzige Beleuchtung und Heizung. Die Butter bringen die Gläubigen flüssig in Thermoskannen mit. Der Duft (eher vielleicht der Geruch) begleitet uns Besucher durch jeden Raum jedes Klosters und schließlich noch bis ins Hotel.
 
Gebetsmühlen begleiten uns auf allen Wegen!
Große, kleine, handtaschengerechte und solche mit Solarantrieb in Gold für das Armaturenbrett oder den Schreibtisch.
Unser tibetischer Guide „Alla“ ist absolut topp und weiht uns in jedes Geheimnis ein, erklärt die unzähligen Buddhas, Dämonen, Klostergründungen, die zahlreichen und unterschiedichen Lamas und gibt uns Hinweise über das Leben in Tibet.
 
Am Flussufer – später heißt dieser Brahmaputra – hier eine Baby-Bestattungsstätte mit den wichtigen Gebetsfahnen. Die toten Babys und Kleinkinder werden hier während der Bestattungszeremonie dem Fluss übergeben.
Mit unserem Fahrer hatten wir das gleiche Glück, wie mit unserem „Alla“. Er fährt äußerst bedacht und ruhig, hält sofort an, wenn man nur andeutet, ein Foto machen zu wollen.
Hektik? Null!
Pauschaltour mit dem Charakter einer Individual-Reise. Perfekt.
Die Höhe liegt zwischen 4 und 4.500m und bereitet uns keine Probleme. Außer beim Treppensteigen! Nach der 3. oder 4. Stufe geht bereits die Luft aus.
Wir fahren mit unserem sehr bequemen und gepflegten Van weiter in Richtung Shigatse, vobei an großen, mageren Weideflächen und sehen unsere ersten Yaks.
 
 
Auf den Märkten – vielfältige Handarbeiten, versteinertes Holz?, Obst, Kinder und Hunde. Und keine aufdringlichen Händler!
 

Unser bescheidenes Frühstückszimmer im Gyantse-Hotel.

Das Shigatse Hotel. Eine ruhige Oase nach dem etwas umtriebigem Lhasa
und den unendlichen Buddhas, Klöstern, Tempel, Stubas usw. Sehr angenehm
die klare, trockene Luft, die zumindest bis zum Betreten des nächsten
Klosters Yak-Butter-Duft frei ist.

 
Der erste klare Blick auf den Himalaya aus ca. 5000m Höhe.
 
 
Sieht man davon ab, dass die chinesische Grenzpolizei Barbaras Pass konfiszierte, der dann erst durch das vermutlich „zahlende“ Eingreifen von Alla wieder zurückgegeben wurde, verlief der Grenzübergang fast problemlos. Fotografieren natürlich verboten. Das ist die Hauptverkehrsstraße zwischen Tibet und Nepal, kurz nach der Friedensbrücke.
 
…und immer schön das Wasser oder den Tee entkeimen..
Mit dem Steripen in wenigen Sekunden.
 
Am 29.10.2012 hat Thakur (hat ein Appartement in Sielmingen!!!), der Inhaber der nepalesischen Agentur, uns Vier (also Barbara, Lutz, Heidrun und mich) zu einem Folklore-Abend eingeladen. Mit hervorragendem – und mit viel Scharf – regionalem Essen und einer Reihe von Tanz- und Musikeinlagen.
Während Heidrun nahezu freiwillig am Abschlusstanz teilnehmen konnte, musste ich höflichkeitshalber am Tisch sitzen bleiben, da Thakur gerade eine neue Runde Reisschnaps einschenken ließ.
 
Am nächstenTag fuhr uns Rabi zur Altstadt Bhaktapur. Im Bild der von Helmut Kohl wieder aufgebaute Tempel ( oder hat er den Aufbau doch nur bezahlt? Oder haben wir ihn bezahlt?)
Jedenfalls ist er eines der vielen, vielen Highlights dieser Stadt, die natürlich nicht nur Vorzeigetempel… besitzt.
Fast 5 Stunden sind wir von einem freundlichen und kompetenten Führer durch Tempel, Gassen und natürlich Läden geführt worden. Der Erwerb einer Tankha-Malerei scheiterte, da wir noch eine unüberbrückbare Preisdifferenz stehen hatten – aber beim nächsten Mal klappts, da wir inzwischen Qualität und Preise – zwischen 300 und 1000 Euro – einigermaßen beurteilen können.
Meint man, in Bakthapur nur Besucher mit niedergeschlagenen Augen schamerfüllt zu Boden blickend, sehen zu können, stellt man erstaunt fest, dass die „Hans und Hänsin Guck in die Luft“, die in den Deckenbalken Erbauliches suchen, deutlich in der Überzahl sind.
Es ist verständlich, dass man oder frau sich in diesem Trubel auch mal festhalten können darf…
Schließlich soll es hier einen Mann geben, der 50kg damit (?) hochheben kann!
 

Heidrun blickte heute morgen um 5.45 !! (ich dachte wir wären im Urlaub!) durch das Auge der Kamera und wurde mit einem einzigartigen Panorama des Himalays belohnt. Noch nie waren wir in einem Hotel mit einer derartigen Aussicht*.
*Das mag auch daran liegen, dass wir so gut wie nie in Hotels übernachtet haben.
 
Wir werden heute einen faulen Urlaubstag einlegen, Heidrun Tagebuch schreiben und ansonsten die Ausblicke auf die Berge genießen.
 

Aber bevor es losgeht, frühstücken wir erst mal gemütlich und genießen den Ausblick auf den LangTang.

Unser junger Guide führte uns anschließend über mehr als 7 Stunden über Berg und Tal bis zu unserem nächsten Hotel in Doulikhle. Leider kannte er sich weder mit Wanderwegen noch mit der Technik des Führens aus. So wanderten wir zwar durch wunderschöne Landschaft, Gehöften und an Feldern vorbei, leider jedoch fast immer auf sehr staubigen Pisten und Asphaltstraßen. Dass diese Touristen auch mal Pause machen oder gar etwas essen wollten, mussten wir ihm erst nahebringen. Von der Zeit fürs Fotografieren mal ganz abgesehen. Aber er war wirklich ausgesprochen nett und freundlich.

Schließlich entschieden wir uns, für die letzten 5km den Bus zu nehmen, um dem Staub, den Autos und Motorrädern zu entkommen. In Doulikle angekommen, stiegen wir am „Busbahnhof“ aus und unser Guide begann eifrig nach dem Hotel zu suchen. Wie sucht man aber ein Hotel unter sehr Vielen, wenn man dessen Namen vergessen hat?? Unser Guide entpuppte sich auch hier als herausragend – schließlich kann ja auch mal was nach unten herausragen.

Dank Handy und Robi, unserem Fahrer, kam der Hotelname zu Tage „High View“. Dummerweise lag es etwa dort, wo wir mit dem Bus herkamen. So durften wir ca. 1/3 der gefahrenen Strecke wieder zurückschlappen. Eine Schülerin, die so fröhlich des Weges daherkam, erzählte mir dann in einzelnen (das waren vermutlich alle, die sie in englisch kannte) Worten, wo das Hotel zu finden sei. Dann der Aufstieg! Über 200 Stufen bis zu unserem Zimmer! Daher wohl „High View“.

Der morgendliche Blick aus dem Zimmer auf die Berge entschädigte dann doch für die vortäglichen Unbillen.

Aber Ausruhen gibts nicht, der zweite Teil der Fußtour wartet mit scharrenden Hufen…

Manu Buddha – unser nächstes Ziel – mit den diskutierenden Mönchen entpuppte sich als echtes Highlight. Unsere Zimmer waren basic und sauber, die Matratzen glashart!

Um 18.30: Antreten zum Prayer! Kloster gibts nicht umsonst!

1 1/2 Stunden „Oom Moneypenny Hum“ im Schneidersitz mit Knochentrompetengetute, Geklingel und Getrommel. Dazu wurde Tibetanischer Tee ausgeschenkt: Exakt wie unser Milchtee, bei dem statt Zucker Salz verwendet worden ist. Urgs.. da wendet sich der Gast mit Grausen.

Fast vergessen vor der Erholung kam der Aufstieg – 1100 Stufen! Die Waden haben es uns noch nach 2 Tagen gedankt.

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